banner.gif
  • Apotheker Frank Herrmann
  • Juri-Gagarin-Ring 94
  • 99084 Erfurt
Anmelden | Registrieren
Drucken

Lyell-Syndrom

Lyell-Syndrom,
[ˈlaɪəl‐]:

lebensbedrohliche Erkrankung mit großflächiger blasiger Hautablösung.

Ursachen und Befund: Das medikamentöse Lyell-Syndrom (toxische epidermale Nekrolyse, Abk. TEN) beruht auf einer allergisch-toxischen Arzneimittelreaktion, die am häufigsten nach Einnahme bestimmter Schlafmittel (z. B. Barbiturate), Schmerzmittel (z. B. Pyrazalonderivate) und einiger Antibiotika (z. B. Sulfonamide) beobachtet wird und überwiegend bei Erwachsenen auftritt. Zunächst zeigt sich eine feinfleckige, später flächenhafte Rötung der Haut, auf der sich Bläschen bilden, die dann zu großen Blasen zusammenfließen, sodass sich die Oberhaut großflächig abschieben lässt. Neben der Haut sind auch die Bindehaut des Auges sowie die Schleimhäute von Mund, Nase, Genitalien und After betroffen. Der Allgemeinzustand der Kranken ist schlecht, häufig besteht hohes Fieber. Die großflächigen offenen Hautstellen verursachen einen starken Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Die lebensgefährliche Krankheit führt in 30–50 % der Fälle zum Tod.

Das staphylogene Lyell-Syndrom (Dermatitis exfoliativa neonatorum) wird durch einen von Staphylokokken gebildeten Giftstoff (Toxin) hervorgerufen und tritt überwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern, seltener auch bei abwehrgeschwächten Erwachsenen auf. Meist im Anschluss an einen Infekt im Nasen-Rachen-Raum entwickelt sich ein Hautauschlag (Exanthem) im Gesicht, am Rumpf und an den Streckseiten der Arme und Beine. Innerhalb von ein bis zwei Tagen dehnt sich der Hautausschlag aus und es entstehen am ganzen Körper große, schlaffe Blasen, die aufplatzen wie bei einer ausgedehnten Verbrühung. Die Schleimhäute sind selten betroffen. Der Allgemeinzustand des Kranken ist schlecht, er hat hohes Fieber. Die Sicherung der Diagnose eines Lyell-Syndroms erfolgt durch die mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe aus einem betroffenen Hautbereich. Die Unterscheidung zwischen dem medikamentösen Lyell-Syndrom und dem staphylogenen Lyell-Syndrom ist für die Therapie von entscheidender Bedeutung.

Behandlung: Die intensivmedizinische Behandlung erfolgt oft auf einer Verbrennungsstation, da die äußerliche Therapie sich nicht von der einer ausgedehnten Verbrennung unterscheidet. Beim medikamentösen Lyell-Syndrom werden alle als Auslöser infrage kommenden Medikamente abgesetzt und hoch dosierte Kortikoide eingenommen. Diese dürfen jedoch beim staphylogenen Lyell-Syndrom auf keinen Fall eingesetzt werden; hier erfolgt eine Behandlung mit hoch dosierten Antibiotika.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 14.12.2011

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Medíkamente

 Wechselwirkungs-Check

Alle Krankheiten von A bis Z

Leicht verständliche Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie von über 700 Krankheiten – alphabetisch sortiert von A wie Allergie bis Z wie Zahnfleischentzündung  »

Experten-Sprechstunde

Kompaktes Expertenwissen in über 1000 Fragen und Antworten: Unsere aktuelle Rubrik "Experten-Sprechstunde" bietet Informationen aus erster Hand zu den Gesundheitsproblemen unserer Zeit »

Symptome

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts »

Laborwerte

Von CRP über TSH bis PSA – hier können Sie nachlesen, was häufige Abkürzungen und Fremdwörter in Ihrem Laborbericht bedeuten »

Diagnose-Vefahren

EKG, CT, MRT: Was verbirgt sich hinter solchen Kürzeln? medizinische Untersuchungen einfach erklärt – von Röntgen bis Herzkatheter »

Therapien von A bis Z

Von Chemotherapie über Logopädie bis Akupunktur: Wichtige Behandlungsverfahren im Überblick »

Laborwerte

Von CRP über TSH bis PSA – hier können Sie nachlesen, was häufige Abkürzungen und Fremdwörter in Ihrem Laborbericht bedeuten »

Das Heilpflanzen-Lexikon

Hier finden Sie einen Überblick über wichtige Arzneipflanzen von A bis Z »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung