Wer krank ist, sehnt sich nach Zuwendung. Das Gefühl, jemand umsorgt mich liebevoll, tut ebenso gut wie sanfte Berührungen. Wickel können das vermitteln. Außerdem hat fast jeder das notwendige Zubehör für die Eigentherapie griffbereit zu Hause – beispielsweise Kartoffeln, Quark oder einfach nur Wasser und Tücher. Vielleicht zählen Wickel deshalb zu den beliebtesten Hausmitteln. Laut einer repräsentativen GfK-Umfrage im Auftrag der Apotheken Umschau haben sie 43 Prozent der Deutschen schon einmal angewendet. 87 Prozent von ihnen spürten danach eine deutliche Linderung der Beschwerden.
Kühle Wickel entziehen dem Körper Wärme – etwa die bekannten Wadenwickel bei Fieber. Sie tun auch gut bei akuten Entzündungen, zum Beispiel Insektenstichen. Schmerzen und Schwellungen lassen nach. Warme Wickel dagegen wirken in erster Linie entkrampfend, lindern unter anderem Verspannungen, Bauch- und Regelschmerzen. Wissenschaftlich belegt sind diese Effekte nicht, der gute Ruf der Methode beruht vor allem auf Erfahrungswerten.
Als einer der Ersten warb Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) für die Wirkung feuchter Umschläge. Doch schon lange vorher hatten die Deutschen die Wickel entdeckt. „Ihre Anwendung gehört zum Volksheilwissen und wurde über Jahrhunderte mündlich weitergegeben“, erläutert Elke Heilmann-Wagner. Die Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe aus Bobenheim am Berg (Rheinland-Pfalz) ist Vorsitzende des Vereins Linum, der zusammen mit dem Diakonischen Institut für Soziale Berufe in Dornstadt Weiterbildungen zur Wickelfachfrau/zum Wickelfachmann anbietet. Sie selbst hat diese Kurse absolviert, leitet sie heute und gehört zum Gründungszirkel des Internationalen Fachgremiums für Wickel und Kompressen. Hier erklärt die Expertin verschiedene Anwendungsmöglichkeiten und die richtige Technik:
Ingwerwickel
Sowohl frisch geriebener Ingwer als auch das Pulver eignen sich für diese Anwendung, die eine angenehme, lang anhaltende Wärme erzeugt. „Verspannungen lösen sich, Gelenkschmerzen lassen nach“, sagt Heilmann-Wagner. Allerdings reagiere bei einigen Anwendern die Haut überempfindlich auf den scharfen Ingwer. Auch Menschen, die seelisch labil sind, rät sie von der Wickel-Variante ab, denn die braungelbe Wurzel beeinflusst angeblich die Psyche.
So geht’s: 2 Esslöffel Ingwerpulver oder 5 Esslöffel frisch geraspelten Ingwer in 150 Milliliter heißem Wasser zehn Minuten quellen lassen und abseihen. Gießen Sie einen weiteren Liter heißes Wasser zu dem Auszug, und tränken Sie damit ein Baumwoll- oder Leinentuch. Wringen Sie es aus, und legen Sie es – sofern es nicht zu warm ist – auf die schmerzende Körperpartie. Wickeln Sie weitere Lagen darüber. Entfernen Sie die Kompresse spätestens nach 30 Minuten, und ruhen Sie noch etwa 15 Minuten.
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Wadenwickel
Die Umschläge zur Fiebersenkung sind die bekanntesten Wickel. Aber gerade bei ihnen passieren viele Fehler. „Vorab sollte man sich fragen, ob es Sinn macht, das Fieber einzudämmen“, sagt Elke Heilmann-Wagner. Dieses sei schließlich eine normale Reaktion des Körpers auf Erreger. Sie rät zu Wadenwickeln erst ab 39 Grad (Ausnahme: Kinder mit Neigung zu Fieberkrämpfen) und wenn der Patient nicht fröstelt, Hände und Füße warm sind. „Patienten sollten während der Behandlung dicke Socken tragen“, sagt die Expertin. Das Wasser darf nicht zu kalt sein – nur ein bis fünf Grad kälter als die Temperatur des Fiebernden. „Vor allem bei Kindern und älteren Menschen sollte der Unterschied sehr gering sein“, betont Elke Heilmann-Wagner. „Der Wickel wirkt durch Verdunstungskälte.“
So geht’s: Baumwolltücher in lauwarmes Wasser tauchen, leicht auswringen und dem Fiebernden möglichst locker um die Waden legen. Ein darunter und ein darüber gelegtes Handtuch schützen das Bett vor Nässe. Sobald sich die Tücher erwärmen, sollten Sie sie entfernen. Die Anwendung können Sie bis zu vier Mal wiederholen, eine halbe Stunde lang. „Dann braucht der Körper erst einmal Ruhe“, erläutert Heilmann-Wagner. Gut gewirkt haben die Wickel, wenn das Fieber eine halbe Stunde nach Anwendungsende um ein halbes Grad gesunken ist.
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Heilerdewickel
Wer sich den Knöchel verstaucht hat oder unter Rheuma leidet, kann mit diesem Wickel die Beschwerden bekämpfen. „Bei chronischen Schmerzen ist auch eine Anwendung über einige Wochen möglich“, sagt Elke Heilmann-Wagner.
So geht’s: Rühren Sie die Heilerde mit lauwarmem Wasser oder Tee zu einem Brei an. Diesen streichen Sie entweder direkt auf die Haut oder auf ein Tuch. Der Wickel bleibt aufgelegt, bis die Heilerde trocken ist und bröckelt. Reste mit lauwarmem Wasser abwaschen. Fühlt sich die Haut nach dem Entfernen des Wickels trocken an, lindert Körperöl oder eine reichhaltige Creme schnell das Spannungsgefühl.
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Kartoffelwickel
„Fango aus der Küche“, so nennt Elke Heilmann-Wagner Kartoffelwickel. Nach dem Kochen speichert das Gemüse lange seine hohe Temperatur und durchwärmt den Körper intensiv. Vor allem bei Muskelschmerzen im Rücken- oder Nackenbereich ist die Anwendung eine Wohltat. „Manche Menschen entspannen dabei so sehr, dass sie einschlafen“, berichtet die Expertin.
So geht’s: Etwa 500 Gramm Kartoffeln weichkochen. Auf einem mit Küchenpapier ausgelegten Tuch verteilen, mit einem weiteren Küchenpapier abdecken, das Tuch einschlagen, die Kartoffeln zerdrücken. Das Päckchen muss nun einige Minuten auskühlen! Andernfalls kann es zu Verbrennungen kommen. Sagt Ihnen die Temperatur zu, lassen Sie sich das Kartoffelpaket auf die schmerzende Stelle legen, mit der nicht eingeschlagenen Seite nach unten. Zwischen- und Außentuch darüberwickeln. So lange aufgelegt lassen, wie es angenehm ist.
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Quarkwickel
Mit dieser kalten Anwendung lassen sich zum Beispiel Sonnenbrand und Insektenstiche behandeln. „Allerdings sollte der Quark nicht unmittelbar aus dem Kühlschrank kommen, sondern etwa Zimmertemperatur haben“, sagt Heilmann-Wagner. Die Expertin empfiehlt zudem, den Quark nicht direkt auf die entzündete Haut zu streichen. Das Entfernen könne unangenehm sein.
So geht’s: Streichen Sie frischen Speisequark etwa einen halben Zentimeter dick auf ein Geschirrtuch, und schlagen Sie das Tuch ein. Nun das Paket auf die betroffene Stelle legen und mit einem weiteren Tuch umwickeln. Entfernen oder erneuern Sie den Wickel, sobald er sich erwärmt.
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Geben Sie die Heilerde direkt auf die Haut oder auf das Tuch. Wickeln Sie ein Leintuch (blau) darüber und packen das Ganze in ein Frotteehandtuch (gelb)
Die richtige Wickel-Technik
Warme Wickel sollten möglichst dicht auf der Haut liegen, sodass keine Luftkammern entstehen. Kühle Wickel dagegen wirken über die Verdunstungskälte. Sie werden nur locker um die jeweilige Körperpartie gelegt.
Auf das Tuch Heilerde auf Baumwoll- oder Leintuch geben.
Auf die Haut Heilerde direkt auf die Haut auftragen.
Zwischentuch: Über das Innentuch (blau) ein Frotteehandtuch (gelb) wickeln. Das schützt vor Verfärbung und Nässe.
Außentuch: Ist der Wickel warm, bewahrt ein drittes Tuch aus Wolle (etwa ein Schal) die Temperatur.
Julia Rotherbl / Apotheken Umschau;
04.07.2011
Bildnachweis: Stockfood/Foodcollection, Strandperle, Stockfood/Emotive Images, vario images/bluemagenta, Stockfood/Harry Bischof, W&B/Martina Ibelherr, W&B/Martin Ley
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